Eine neue Bewertung von Geburt und Tod
Ein Beitrag der FORUM-Redaktion veröffentlicht in der Ausgabe November/Dezember 2025 (269) „Tod“.
Auszüge aus den Vorlesungen über das Lotos-Sutra von Daisaku Ikeda
Für die Menschen gibt es wahrscheinlich nichts, das unerreichbarer, geheimnisvoller und gleichzeitig so nahe ist wie Geburt und Tod. (…) Nichiren sagt: „Setzen Sie sich zuerst mit dem Tod und dann mit den anderen Dingen auseinander.“ (GZ, 1404) Damit wird auf die zentrale Bedeutung des Themas Geburt und Tod im Buddhismus hingewiesen. Josei Toda hat oft gesagt: „Das größte Problem, das der Buddhismus zu lösen hat, ist der Tod.“
Wie geht man mit dem Thema Geburt und Tod um? Ich denke, dass es die Aufgabe von Religionen im 21. Jahrhundert sein muss, eine tragfähige Antwort auf diese Frage zu bieten. Shakyamuni erklärt im Juryo-Kapitel des Lotos-Sutra, dass der Buddha mit seiner Weisheit das Leben der dreifachen Welt wahrnimmt, so wie es ist. (…) Die „dreifache Welt“ bezieht sich auf die Welt nicht erleuchteter Wesen, die sich in den Sechs Pfaden (die ersten sechs der Zehn Welten - vom Zustand der Hölle bis zum Entzücken) bewegen. Diese „dreifache Welt“ besteht aus der Welt der Wünsche (Begierde), der Welt der Form (die Welt der Materie) und der Welt der Formlosigkeit (die spirituelle Welt). Sie alle sind die „Welten der Illusion“, in denen das Leben von Dunkelheit im Sinne von Ignoranz beherrscht wird. Diese Dunkelheit ist die fundamentale Quelle des Unglücks und der Leiden der Menschen.
Der seit der fernen Vergangenheit erleuchtete Buddha kämpft unaufhörlich dafür, alle Menschen zum Glück zu führen. Dieser Buddha sieht den wahren Aspekt der „dreifachen Welt“ so wie sie ist und will mit dieser Weisheit die Menschen von dem „Leiden von Geburt und Tod“ befreien. Die Aussage, dass der Buddha den wahren Aspekt der „dreifachen Welt“ wahrnimmt, ist also der Hinweis auf die Weisheit des Buddhas, mit der er alle Menschen zur Erleuchtung führt.
Anschließend erklärt Shakyamuni, wie diese „dreifache Welt“ ist, die er mit seiner Weisheit vollkommen wahrnimmt. Er sagt: „Es „gibt weder das Kommen und Vergehen von Geburt und Tod, und es gibt weder Existenz noch Nicht-Existenz“. Er sagt also, dass es in der dreifachen Welt weder Geburt noch Tod gibt und die Wesen weder erscheinen noch vergehen. Das heißt, es gibt keine Unterscheidung zwischen denen, die in der Welt sind und denen, die nicht da sind.
Das Überraschendste an dieser Aussage ist zunächst, dass es weder Geburt noch Tod gibt. Denn die Menschen betrachten im allgemeinen Geburt und Tod als feste Fakten des menschlichen Lebens. In diesem Abschnitt des Sutra werden nicht die Phänomene von Geburt und Tod geleugnet, sondern es bietet sich aufgrund der Erkenntnis ihrer Realität eine neue Bewertung von Geburt und Tod aus einer tieferen Sicht des Lebens. (…)
Die gesamte Vorlesung ist als ebook in Die Vorlesungen über das Lotos-Sutra verfügbar: https://www.sokashop.de/p/ebook-vorlesungen-ueber-das-lotos-sutra
Dies ist eine Leseprobe.
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